Der alte Kettenhund

Ich bin allein, es ist schon Nacht, und stille wird’s im Haus.
Dort ist ein Feuer angefacht, dort ruht mein Herr sich aus.

Er liegt im warmen Federbett, deckt bis ans Ohr sich zu,
und ich auf meinem harten Brett bewache seine Ruh ‚.

Nacht ist rauh, ich schlafe nicht die, der Wind aus Ost weht kalt.

Die Kälte ins Gebein mir kriecht, ich bin ja auch schon alt.

Die Hütte, die mein Herr versprache, erlebe ich nicht mehr.

Der Regen tropft durch’s morsche Dach, und Stroh gibt’s längst nicht mehr.

Die Nacht ist kalt, der Hunger quält, mein winseln niemand hört,
und wüsst ‚mein Herr auch, was mir fehlt – er wird nicht gern gestört!

Die Nacht ist lang, zum zehnten Mal leck ‚ich die Schüssel aus,
den Knochen, den ich jüngst versteckt, den grub ich längst schon aus.

Die Kette, die schon oft geflickt, sie reibt den Hals mir blos.
Sie reicht nur noch ein kurzes Stück, und nie werd ‚ich sie los.

Was Freiheit ist, Erleb ‚ich nie – doch weiß ich, ich bin treu.
So lieg ‚ich, warte auf den Tod – und bin dann endlich frei!

unbekannter Dichter

Advertisements

3 Kommentare on “Der alte Kettenhund”

  1. Armer Kettenhund!
    Der Dichter hat genau beschrieben, wie bescheiden das Leben eines Kettenhundes ist, nämlich erbärmlich.

  2. Gucky sagt:

    SO behandelt man ja auch kein Tier !
    Kettenhunde ? Gibt es die noch ? 😯

  3. Leider gibt es noch Kettenhunde!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s